Andrea Herzog ist "Eliteschülerin des Sports 2019"

Foto: (v. l.) Kai Ostermann, Alessa-Catriona Pröpster, Andrea Herzog, Isabel Gose (DOSB/picture alliance/Haas)
Foto: (v. l.) Kai Ostermann, Alessa-Catriona Pröpster, Andrea Herzog, Isabel Gose (DOSB/picture alliance/Haas)

Am 27.01.2020 wurden im Rahmen des traditionellen DOSB-Neujahrsempfangs drei herausragende junge Nachwuchsathlet*innen in Frankfurt am Main geehrt. Bei der bundesweiten Auszeichnung „Eliteschüler*in des Jahres“ werden die besonderen schulischen und sportlichen Leistungen der Nachwuchsathlet*innen anerkannt.

Über den Titel „Eliteschülerin des Jahres 2019“ durfte sich die Slalom-Kanutin Andrea Herzog freuen. Die Bahnradsportlerin Alessa-Catriona Pröpster landete auf Platz zwei vor Schwimmerin Isabel Gose auf Platz drei.

Der Deutsche Olympische Sportbunde (DOSB) und die Sparkassen-Finanzgruppe zeichnen seit 2009 gemeinsam die Eliteschüler*innen des Jahres aus. Die Preisträger*innen erhalten Stipendien in Höhe von 5.000 Euro für Platz eins sowie jeweils 3.000 Euro für die Plätze zwei und drei. Geehrt werden die drei bundesweit Besten der insgesamt 43 Eliteschulen des Sports. Mit dem Preis wird die Leistung der Eliteschüler*innen, die ihre sportliche Karriere erfolgreich mit ihrer schulischen Ausbildung vereinen, gewürdigt.

Erfolgreicher konnte das Sportjahr 2019 für die 20-jährige Andrea Herzog (Eliteschule des Sports Leipzig) nicht laufen. Das Ausnahmetalent im Kanuslalom erkämpfte sich im September bei den Weltmeisterschaften der Erwachsenen in Spanien die Goldmedaille im Einer-Canadier. Sie konnte damit nicht nur völlig überraschend die viermalige Weltmeisterin Jessica Fox um 0,49 Sekunden hinter sich lassen, sondern hat auch beste Chancen, für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nominiert zu werden. Neben den sportlichen Erfolgen beeindruckte Andrea Herzog auch in der Schule und schloss ihr Abitur am Sportgymnasium in Leipzig mit einem Abiturschnitt von 1,1 ab. „Es ist beeindruckend, mit welchem Willen und welcher Disziplin – und vor allem mit welchem Ergebnis – Andrea Herzog sowohl ihre schulische als auch ihre sportliche Karriere vorantreibt. Diese tollen Erfolge sind auch eine Bestätigung, dass das System „Eliteschulen des Sports“ funktioniert. Wir sind stolz darauf, seit 22 Jahren mit unserer Förderung zu den Leistungen beizutragen“, sagt Kai Ostermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing, der die Ehrung für die Sparkassen-Finanzgruppe vorgenommen hatte.

Platz zwei sicherte sich die 18-jährige Bahnradsportlerin Alessa-Catriona Pröpster von der Eliteschule des Sports in Kaiserslautern. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2019 in Frankfurt (Oder) krönte sie ihre unglaubliche Leistung mit vier Medaillen. Sowohl im Sprint als auch im Keirin ließ sie ihre Konkurrenz hinter sich und gewann jeweils die Goldmedaille. Zudem gewann sie Silber im Teamsprint und auf der 500-Meter-Strecke. „Allein die sportlichen Ergebnisse von Alessa-Catriona sind mehr als beeindruckend“, sagt Uschi Schmitz, DOSB-Vizepräsidentin Leistungssport. „Dass sie dazu parallel auch im schulischen Bereich besondere Leistungen erreicht, verdient hohen Respekt und zeigt wieder einmal, dass das Konzept der Eliteschulen hervorragend greift.“

Den dritten Platz belegte die 17-jährige Schwimmerin Isabel Gose aus Heidelberg. Bei den Junioren-Europameisterschaften in Kazan schlug sie insgesamt fünfmal als Erste an und gewann Gold über 100 Meter, 200 Meter und 400 Meter Freistil sowie mit den Staffeln über 4x100 Meter Freistil und 4x100 Meter Freistil Mixed. Dazu kamen eine Silbermedaille über 50 Meter Freistil und eine Bronzemedaille mit der 4x200 Meter Freistil-Staffel. Ein weiteres sportliches Highlight war die Weltmeisterschaft in Südkorea. Isabel Gose konnte dazu beitragen, dass mit Platz sieben in der 4x200-Meter-Staffel ein Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio geholt wurde. Das sportlich erfolgreiche Jahr rundete die gebürtige Berlinerin mit einem zweiten Platz über 400 Meter Freistil bei den Kurzbahn-Europameisterschaften in Glasgow und einem Deutschen Rekord bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften über die gleiche Distanz ab. „Isabel zeigt schon in jungen Jahren, welche großes Potenzial in ihr steckt. Wir werden sicher noch viel Freude an ihr haben. Gleichzeitig erarbeitet sie sich an der Eliteschule auf beeindruckende Weise die Grundlage für ihr späteres Berufsleben“, so Uschi Schmitz.

(Quelle: DOSB)

Link Video Andrea Herzog

Link Video Alessa-Catriona Pröpster

Link Video Isabel Gose

 

 

Interviews

Foto: DOSB/picture alliance/Haas
Foto: DOSB/picture alliance/Haas

Andrea Herzog ist mit 20 Jahren schon Weltmeisterin im Kanuslalom (Einer-Canadier) und hat beste Chancen für die Olympischen Spiele in Tokio nominiert zu werden. Zusätzlich hat sie die Schule mit einem Abitur von 1,1 abgeschlossen. Deswegen ist Andrea mit dem ersten Platz "Eliteschülerin des Sports 2019" belohnt worden. Im Interview hat sie uns mehr über ihren Sport und über ihre Ziele für das Olympiajahr 2020 verraten! Herzlichen Glückwunsch an Andrea Herzog!

Welche Gedanken hattest Du zuerst, als Du Weltmeisterin geworden bist?
Mein erster Gedanke war: „Was! Das kann gar nicht wahr sein, dass ich das jetzt erreicht habe!“ Ich war unglaublich stolz auf den Lauf und auf mich selbst. Man genießt es beziehungsweise versucht es zu genießen, weil dann doch alles ziemlich stressig war. Aber es war unglaublich schön und es wäre noch schöner, wenn ich das nochmal erleben kann. Vielleicht mit ein bisschen mehr Ruhe!


Musst du dich manchmal noch kneifen oder ist es langsam bei dir im Kopf drinnen, dass du Weltmeisterin bist?
Es ist schon drinnen im Kopf, dass ich Weltmeisterin bin. Aber manchmal muss ich mich schon noch kneifen, dass ich gegen die anderen bestehen konnte. Im Training sehe ich die anderen fahren und denke: „Okay, so gut kann ich doch eigentlich gerade nicht sein!“ Das motiviert weiterzumachen, damit vielleicht auch die nächsten Wettkämpfe ähnlich erfolgreich werden.

Viele Sportler träumen seit sie mit ihrem Sport angefangen haben von Olympia. Du hast jetzt beste Chancen im Frühsommer für Tokio nominiert zu werden. Was bedeutet das für dich?
Ich finde es unglaublich schön, denn es ist das erste Mal, dass unsere Disziplin, Canadier-Damen, olympisch ist. Ich wäre die erste Deutsche, die dort an den Start gehen könnte. Deswegen wäre es unglaublich schön, dort eine Medaille zu gewinnen. Man würde dann quasi auch in die Geschichte eingehen. Ich mach mir da aber keinen Druck, denn ich will erstmal die ganze Atmosphäre genießen.


Also ist der Leistungsdruck nach dem WM-Titel nicht größer geworden für dich?
Ich versuche den Druck nicht größer werden zu lassen. Natürlich weiß ich und auch die anderen wissen, dass ich gut fahren kann. Ich war immer so Vierte oder Fünfte, aber es hatte bisher nie für das Podest gereicht – ich bin immer ganz knapp vorbeigeschrammt. Bei der WM hätten auch andere gewinnen können, vielleicht hatte ich an dem Tag ein bisschen mehr Glück…


Mit deinem Sieg ging auch ein Medienrummel um deine Person mit einher. Wie kommst du mit der „neuen“ Aufmerksamkeit klar?
Also ich finde es, um ehrlich zu sein, ein bisschen anstrengend. Ich habe die Schule jetzt hinter mir und will einfach nur trainieren. Ich will mich auf mein Ziel Olympia konzentrieren, um dort alles geben zu können. Und dann kommen immer ganz viele Medien dazu und wollen immer noch was. Heute fällt auch wieder ein ganzer Trainingstag weg. Aber wenn man dann die Leistungen gewürdigt bekommt, dann ist das schön und dann lohnt es sich auch, mal einen Trainingstag sausen zu lassen. Im Endeffekt ist es vielleicht dann nicht so wichtig. Die Glücksgefühle, die man durch solche Ehrungen bekommt, sind am Ende wichtiger, weil das dann auch die Einstellung im Kopf beeinflusst.


Was sind deiner Meinung nach, die wichtigsten Fertigkeiten, die man beim Kanu-Slalom braucht?
Cleverness. Bei uns ist jede Strecke anders und man muss taktisch clever fahren. Das heißt vielleicht dort mal eine Rückwärtsdrehung mehr – also eine Sekunde mehr investieren. Dafür aber an einer anderen Stelle vielleicht zwei/drei Sekunden aufholen Dann brauchen wir natürlich Ehrgeiz und Härte. Das Wintertraining ist echt hart bei uns. Nur Flachwasser und das monatelang im Winter, weil wir nicht die Möglichkeit haben, aufs Wildwasser zu gehen. Und zuletzt Geduld. Wir fahren nicht alle gleichzeitig, sondern hintereinander und so ein Finale zieht sich über eine halbe bis dreiviertel Stunde. Erst ganz am Ende weiß man, welchen Platz man erreicht hat.


Sprechen wir mal darüber wie viel Wasser man beim Kanu-Slalom ins Gesicht bekommt. Gab es schon mal eine Situation, wo du einfach gar nichts mehr gesehen hast? Und was macht man dann?
Man fährt die Strecken so oft, dass man sie nahezu in- und auswendig kennt. Auch wenn man mal nichts sieht, hat man so ungefähr ein Gefühl für die Situation - was das Wasser gerade mit einem macht. Das Wasser ändert sich innerhalb von Zehntel- und Hundertstel- Sekunden. Darauf müssen wir halt reagieren und eventuell andere Entscheidungen treffen als die, die geplant waren.


Du hast die Schule mit einem Abiturschnitt von 1,1 abgeschlossen. Wie schwer war es für dich, neben dem Sport die Schule nicht zu vernachlässigen.
Mir ist Schule immer leichtgefallen. Mein Physik-Abitur habe ich zum Beispiel mündlich gemacht. Ich habe einen Tag vorher angefangen zu lernen und habe dann 15 Punkte bekommen. Es gibt halt so Fächer, die ich einfach verstanden habe. Das waren vor allem die naturwissenschaftlichen Fächer. Ich war aber schon echt froh als ich es hinter mir hatte, weil das ganze Lernen natürlich auch belastend war. Während die anderen trainiert und regeneriert haben, musste ich lernen oder Prüfungen schreiben. Naja, es sind meistens trotzdem ganz gute Noten rausgekommen. (lacht)


Du bist jetzt Sportsoldatin. Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Also klar, erstmal liegt der Fokus auf Tokio und danach schaue ich weiter. Es gibt aktuell zwei Pläne, die ich habe. Entweder mache ich im Herbst den nächsten Bundeswehrlehrgang und hab dann im Winter mal ein bisschen Ruhe oder ich fange an zu studieren. Wobei das bedeutet, dass ich mich vor Olympia noch für einen Studiengang entscheiden und sogar bewerben müsste. Und da weiß ich nicht, ob ich die Ruhe und die Zeit habe, mich dafür zu entscheiden.


Würdest du als Abiturientin sagen, dass so eine Eliteschule des Sports wichtig ist?
Also ich finde sie definitiv wichtig! Ohne sie würden wir wahrscheinlich bedeutend weniger Erfolge feiern können. Für uns als Sportler ist es wichtig, dass wir trainieren können. Die Trainingsumfänge schaffen können und auch die Trainingsbedingungen und Trainer bereitgestellt bekommen. Durch die Eliteschulen des Sports hat man die Chance, an Olympiastützpunkte/Leistungszentren zu kommen und dort zu trainieren. Die Trainingsbedingungen, die man antrifft, sind besser und natürlich auch die schulischen Bedingungen. Würde man so ein Abitur an einer normalen Schule machen, wäre das bestimmt nicht so gut ausgefallen. Ich hätte noch viel mehr nachschreiben müssen und der Lerndruck wäre größer gewesen. Mit der Schulzeitstreckung hatte ich ein Jahr mehr Zeit, die ganzen Prüfungen zu machen.

Foto: DOSB/picture alliance/Haas
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Alessa-Catriona Pröpster ist eine aufstrebene Bahnradfahrerin. Bei der Heim-Juniorenweltmeisterschaft in Frankfurt/Oder holte sie vier Medaillen. Darunter zwei Goldene. Momentan muss sie wegen einer Verletzung eine Zwangspause einlegen. Die Zeit nutzt sie, um für das Abitur zu lernen. Alessa-Catriona wurde für ihr grandioses Sportjahr 2019 mit dem zweiten Platz bei den „Eliteschüler*innen des Sports 2019“ ausgezeichnet. Im Interview erzählt sie uns über ihre Erfahrungen und wie es ist mit Miriam Welte zusammen zu trainieren. Herzlichen Glückwünsch Alessa-Catriona Pröpster!

Catriona ist ein sehr seltener Name. Wie sind deine Eltern darauf gekommen?
Es war eine kanadische Eisschnellläuferin: Catriona LeMay Doan. Meinem Vater hat der Name irgendwie gefallen und sie ist als zweifache Olympiasiegerin, Weltmeisterin und olympische Fackelträgerin auch ein Vorbild, deswegen entschied er, wenn er eine Tochter bekommt, dann nennt er sie Catriona. Nur Catriona war dann ein bisschen kompliziert, deswegen ist es mit dem Doppelnamen noch komplizierter geworden (lacht). Es ist eigentlich auch deshalb witzig, weil Eischnellläufer und Rad-Sprinterinnen auf der Bahn die gleichen Muskelgruppen beanspruchen. Viele Sprinter machen Eisschnelllauf im Winter, deswegen passt das eigentlich zusammen.


Du hast bei den Junioren-Weltmeisterschaften in vier verschiedenen Disziplinen eine Medaille gewonnen. Wie fühlt sich das an?
Es ist einfach mega schwer zu beschreiben. Ich saß erst mal da. Der ganze Druck ist abgefallen und ich habe angefangen zu heulen. Als dann alle mit Deutschlandfahnen gekommen sind, ich eine Ehrenrunde gefahren bin und das Publikum aufgestanden ist… das sind Momente, die man nicht vergisst. Aber ich glaube, da kann man nichts anderes außer Emotionen sprechen lassen.


Welche Disziplin fährst du denn am liebsten? Und Warum?
Boah das ist schwer… (überlegt). Sprint ist ja so die Königsdisziplin des Kurzzeitbereichs. Was mir am besten gefällt ist Keirin, weil wir da zu sechst auf der Bahn sind. Es geht mehr um die Positionskämpfe. Es kommt zum Körperkontakt und man muss sich durchsetzen.


Miriam Welte war (bzw. ist) eine Teamkollegin von dir?
Sie hat aufgehört, das stimmt. Sie muss jetzt aber noch abtrainieren. Da ich im März wegen meinem Fuß nicht mit den anderen nach Mallorca zum Trainieren fliegen kann, hat sie gemeint: sie kommt jeden Tag und trainiert mit mir zusammen. Sie macht es als Abbautraining und ich als Reha.


Hatte Miri‘s “Präsenz“ Auswirkungen auf dein Training? (Vorbild)
Ja, auf jeden Fall. Bei uns läuft das Bahntraining so ab, dass wir in Zweiergruppen fahren. Es war eigentlich immer so, dass entweder Miri von vorne gefahren ist und ich hinter ihr oder umgekehrt. Und sie hat sich immer gedacht: „Ne, das junge Küken will ich jetzt nicht vorbeifahren lassen!“. Sie nennt mich immer noch junges Küken, das ist mein Spitzname. Wir haben uns definitiv gegenseitig gepusht. Ich glaube das ganze Training mit Miri hat wirklich geholfen, Schnelligkeit zu bekommen.


Sie erdet dich dann wahrscheinlich auch ziemlich stark.
Ja, total! Ich bin bei der WM auch mit ihrem Helm gefahren. Es hilft auch, wenn sie am Abend nochmal schreibt und mir nochmal Tipps gibt. Das beruhigt schon. Gerade bei der Wettkampf-Vorbereitung waren wir alle nervös und sie hat uns Tipps gegeben, was sie früher gemacht hat: Das war übrigens Mandala malen. Eigentlich etwas ganz Banales, aber... es hat entspannt.


Wie oft trainierst du eigentlich auf der Bahn? Wie ist dein Training aufgebaut (Kraftraum, Langstreckenfahrten, Rolle etc.)?
Also die nächste Bahn ist bei uns in Dudenhofen, eine offene Radrennbahn ca. 70 Kilometer von Kaiserslautern entfernt. Deswegen hoffen wir, dass wir in der Nähe der Schule bald eine Bahn bekommen. Im Winter trainiere ich eigentlich gar nicht auf der Bahn. Außer ich fahre knapp 900 Kilometer nach Frankfurt/Oder, (dort gibt es eine überdachte Radrennbahn). Im Winter ist es wichtig, dass wir dreimal in der Woche Krafttraining machen. Dazu zweimal Athletiktraining, damit der Oberkörper auch trainiert wird und dann Laufbandtraining, damit wir die Intensität wie auf der Bahn haben und die Trittfrequenz und Schnelligkeit nicht verlieren.


Was ist das Besondere an den Bahnrädern?
Es gibt keine Bremse. Man hat keinen Gang und keinen Freilauf. Also, das heißt, wenn man aufhört zu treten, überschlägt es einen eigentlich. Das ist dann nicht so schlau (lacht).


Wie viele Fahrräder hast du?
Oh Hilfe! Ich bin früher noch Straßenrennen gefahren – also bis vor 2 Jahren und auch noch Crossrennen. Deswegen… Ich habe zwei Crossräder, zwei Straßenräder, zwei Bahnräder, ein Mountainbike… Ich glaube sieben (lacht). Mein Vater hat auch noch so viele Räder. In unserer Garage, wo normalerweise zwei Autos reinpassen, passt dann nur noch eins rein.


Warst du schon immer dem Radsport verschrieben?
Ich war bis 14 Schwimmerin. Der Wechsel kam zu Stande, weil mein Vater im Nachbarverein den älteren Herren Mountainbiketraining gegeben hat. Ich war da ab und zu mit dabei. Ich bin auch mit meinem Vater Tandemmarathons gefahren. Meine Mutter hat irgendwann einen Artikel aus der Zeitung mitgebracht, wo ein Anfängerrennen angeboten war. Da habe ich gesagt: „Ja, okay! Da kann ich mal mitfahren.“ Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass Radsport das ist, was mir am meisten liegt. Wobei das Schwimmen auch nicht so schlecht war.


Du wurdest im Dezember am Fuß operiert. Kannst du nochmal erklären was da war?
Oh Gott, das war viel! (lacht) Ich habe mir im Mai alle Außenbänder gerissen. In der Abiprüfung in Volleyball. Da waren es noch 4 oder 3 Wochen bis zur Europameisterschaft und ich habe gesagt: „Okay ich kann eigentlich keine Pause machen!“ Ich habe direkt weitertrainiert beziehungsweise bin nur eine Woche auf Krücken gelaufen. Dann bin ich zu den Europameisterschaften gefahren, zur Deutschen Meisterschaft, zur Weltmeisterschaft. Am Schluss war aber einfach nur noch der Schmerz da. Entweder wollte ich voll trainieren können oder gar nicht. Immer so an der Schmerzgrenze ist blöd. Diese ganze Bänder-Geschichte hat sich auch auf den Knorpel übertragen und dann war auch noch ein Knochen beschädigt. Da war also viel los. Die OP hat auch deutlich länger gedauert …


Schon Pläne nach der Schule?
Also ich mache jetzt zunächst ein halbes Jahr lang einen Bundesfreiwilligendienst bei mir in der Schule und ich habe vor ein paar Tagen meine Bewerbung an die Bundespolizei für die Spitzensportfördergruppe weggeschickt. Wenn das klappt, wäre es sehr gut.


Was sind deine Ziele für 2020?
Im Juli ist die U23-Europameisterschaft und da ich jetzt älter bin, bin ich jetzt auch wieder eine Altersklasse aufgestiegen (lacht). Ich bin jetzt wieder die Jüngste. Bei der U23 gibt es nur eine Europameisterschaft und keine Weltmeisterschaft. Also ist das Ziel, in die U23 mal reinzuschnuppern.- Zeigen was ich kann oder als Wettkampferfahrung mitnehmen und nächstes Jahr wieder voll angreifen.


Was bedeutet für dich die Eliteschule?
Jeder Leistungssportler hat einen getakteten Alltag und um da optimal trainieren zu können, braucht man diese Schulen, eben um Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen und die perfekten Rahmenbedingungen zu haben. Bei uns in Kaiserslautern ist das ziemlich gut abgedeckt. Zu unseren Lehrgängen fliegen Lehrer mit, damit wir dann dort auch lernen oder Arbeiten schreiben können. Wir haben jetzt auch einen modernen neuen Kraftraum bekommen mit den modernsten Gerätschaften. Ohne diese Eliteschulen geht entweder die schulische oder die sportliche Karriere unter.

Foto: DOSB/picture alliance/Haas
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Isabel Gose ist Deutsche Rekordhalterin über die 400 Meter Freistil auf der Kurzbahn. Sie hat fünf Goldmedaillen bei der Jugendeuropameisterschaft gewonnen und beendete das Jahr 2019 mit einer Silbermedaille bei der Kurzbahn-EM. Nun durfte sie noch eine weitere Auszeichnung entgegennehmen: Platz drei als "Eliteschülerin des Sports 2019"! Herzlichen Glückwunsch Isabel Gose!

Dein nächstes großes Ziel wird sicherlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio sein. Wie bereitest du dich auf die Olympische Saison vor?
Ja genau! Ich werde demnächst für vier Wochen zum Höhentrainingslager in die Sierra Nevada fahren. Von dort geht`s für mich direkt nach Bergen zu dem ersten Quali-Wettkampf. Eine Woche später ist dann nochmal ein Wettkampf in Stockholm. Wenn es dort nicht klappen sollte, gibt es noch die Möglichkeit bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin.


Du hast fünf Goldmedaillen bei den Jugendeuropameisterschaften gewonnen, eine bei den „Großen“ bei der Kurzbahn-EM. Was war denn dein persönliches Highlight 2019?
Persönliches Highlight kann ich gar nicht so sagen. Jeder Erfolg ist in dem Moment, wenn du ihn erlebst, immer der Schönste. Nach der JEM zu wissen, das war mein letzter Wettkampf im Juniorenbereich…, da wachsen natürlich die Erwartungen an dich selbst, weil du weißt, du schwimmst jetzt nur noch bei den Erwachsenen. Bei der EM bei den Großen Vizeeuropameisterin zu werden und direkt den Anschluss an die Erwachsenen zu finden… das war einfach grandios. Besser kann man sich das nicht wünschen als Sportler.


Man hofft natürlich, dass sich das Training (irgendwann) bezahlt macht. Hast du selbst mit deinem Erfolg gerechnet?
Man liebäugelt schon immer ein bisschen damit. Man weiß, man ist gut drauf, man weiß, man hat gut trainiert, man ist in guter Form und dann ist es eigentlich nur noch Kopfsache. Es ist wichtig, dass man an seiner Psyche arbeitet, um seine Leistung abrufen zu können. Dass es im Endeffekt so geklappt hat, macht mich natürlich stolz.


Du hast mit der 4x200m Staffel der Frauen den Quotenplatz für Tokio erschwommen. Staffel- oder Einzelstart, was reizt dich mehr?
Der Einzelstart wäre schon was ganz Besonderes. Schwimmen ist nun mal eine Einzelsportart. Klar gibt es die Staffeln, aber wenn du weißt, du hast es allein geschafft - das ist glaube ich für einen Sportler immer was ganz Besonderes. Es ist jedoch leichter, sich über die Staffeln zu qualifizieren, klar. Die Normen sind nämlich nicht ganz so hoch gesetzt.


Du hältst auf der Kurzbahn den Deutschen Rekord. Magst du die Kurz- oder Langbahn lieber?
(überlegt) Langbahn. Klar ist Kurzbahn auch immer was Tolles und es macht auch Spaß zu schwimmen. Aber ich muss leider sagen, dass die Langbahnerfolge einfach mehr anerkannt werden, weil es nun mal die olympische Strecke ist.


Du bist eine Freistilspezialistin. Wann hat es sich bei dir rauskristallisiert, dass es genau dieser Schwimmstil wird?
Das kann ich gar nicht so sagen. Es war ein fließender Prozess. Freistil war schon immer die Lage, die mir am meisten Spaß macht und das ist am Ende auch das Entscheidende.


Hast du ein sportliches Vorbild, dem du nacheiferst?
Ich bin eigentlich eher mein eigenes Vorbild (lacht). Ich kann niemandem richtig nacheifern. Ich bin ich und ich will das werden, was ich möchte. Klar gibt es auch Vorbilder, die ich habe. Zum Beispiel Katy Ledecky. Ich meine welcher Freistilschwimmer hat sie nicht als Vorbild? Was sie erreicht hat, will jeder Schwimmer erreichen.


Was machst du vor deinem Start, um dich abzulenken/vorzubereiten?
Musik hören, mit schalldichten Kopfhörern. Ich weiß nicht, ob man Ablenkung dazu sagen kann. Es geht eher darum, den Fokus zu halten. Ich habe meine Playlists. Ich höre unter anderem auch Linkin Park und Rihanna. Also nicht eine spezielle Musikrichtung, sondern einfach alles gemischt.


Ich habe gelesen, dass du, wenn du mal keinen Sport treibst, gerne mit Freunden in der Stadt Bummeln gehst. Wie oft kommt das denn tatsächlich vor?
Ich würde so sagen: einmal in der Woche (lacht). Wenn überhaupt. Es kommt darauf an, ob meine Freundinnen Zeit haben. Ich bin nun mal ein 17-jähriges Mädchen und 17-jährige Mädchen machen sowas einfach gerne. Also wenn es mal vorkommt, dann ist es natürlich nur am Wochenende. Meistens samstags, weil ich sonntags die Sachen machen muss, die ich unter der Woche einfach nicht schaffe.


Was bedeutet für dich die Eliteschule?
Hätten wir diese Eliteschulen nicht, wäre das alles nicht möglich. Dann dürfte ich mich nicht deutsche Rekordhalterin nennen. Es ist nun mal so, dass der Sport extrem viel Zeit in Anspruch nimmt, trotzdem darf die Schule nicht vernachlässigt werden. Auch wenn der Sport für mich einfach mein Leben ist und ich am liebsten gar nichts anderes machen möchte. Ohne guten Schulabschluss kommst du in Deutschland nicht weit. Die Eliteschulen stärken uns den Rücken, sie geben uns Halt, sie machen so Vieles unkomplizierter und leichter.


Du hast jetzt noch zwei Jahre Schule und danach?
Ja so zwei bis drei. Je nachdem ob ich ein gestrecktes Abitur mache, was ich wahrscheinlich machen muss - ich fehle sehr oft in der Schule. Ich würde danach schon gerne studieren. Ich würde gerne in die psychologische Richtung gehen und mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten.


Ich war auf deinem Instagram-Account und ich habe gesehen, dass du sehr viel von deiner Familie postest. Wie wichtig ist für dich deine Familie in dem Konstrukt Sport und Schule?
Sehr wichtig. Ich bin ein totaler Familienmensch. Es ist mir am Anfang gar nicht leichtgefallen, so weit weg zu sein. Vielleicht bin ich auch gerade so ein Familienmensch, weil ich so weit weg bin. Seit ich 12,13 bin, wohne ich nicht mehr zu Hause. Das macht es auch so ein bisschen aus, weil ich einfach nicht so die Zeit mit meinen Eltern und meinem kleinen Bruder verbringen kann und es deswegen etwas ganz Besonderes ist.

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