Leni Wildgrube ist "Eliteschülerin des Sports 2018"

Die "Eliteschüler des Sports 2018" sind Lara Lessmann (2. v.l.), Jakob Thordsen (3. v.l.) und Leni Wildgrube (4. v. l.) mit Uschi Schmitz (5. v. l.), DOSB Vizepräsidentin Leistungssport und Robert Restani, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse (1. v. l.). Foto: DOSB/Chris Christes
Die "Eliteschüler des Sports 2018" sind Lara Lessmann (2. v.l.), Jakob Thordsen (3. v.l.) und Leni Wildgrube (4. v. l.) mit Uschi Schmitz (5. v. l.), DOSB Vizepräsidentin Leistungssport und Robert Restani, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse (1. v. l.). Foto: DOSB/Chris Christes

Drei herausragende junge Sportler/innen wurden am heutigen Montag (28. Januar) im Rahmen des DOSB-Neujahrsempfangs in Frankfurt am Main für ihre besonderen schulischen und sportlichen Leistungen des vergangenen Jahres ausgezeichnet.

Wildgrube wurde bei der bundesweiten Auszeichnung als Erstplatzierte geehrt vor dem Kanuten Jakob Thordsen auf Platz zwei sowie der BMX-Fahrerin Lara Lessmann, die sich über Platz drei der Auszeichnung „Eliteschüler/in des Sports 2018“ freuen durfte.

Seit 2009 findet die Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Sparkassen-Finanzgruppe jährlich statt. Die Preisträger erhalten Stipendien in Höhe von 5.000 Euro für Platz eins sowie jeweils 3.000 Euro für die Plätze zwei und drei. Geehrt werden die Besten der 43 Eliteschulen des Sports in Deutschland. Die Ehrung würdigt die Leistung der Eliteschüler/innen, die ihre sportliche Karriere erfolgreich mit ihrer schulischen Ausbildung vereinen.

Leni Wildgrube von der Eliteschule des Sports in Potsdam ist ein absolutes Ausnahmetalent im Stabhochsprung und hat ein sehr erfolgreiches Sportjahr hinter sich. Bei den Olympischen Jugendspielen im vergangenen Oktober in Buenos Aires startete sie als Fahnenträgerin für das Jugend Team Deutschland in die ereignisreichen Tage und schloss dieses Erlebnis mit der Goldmedaille ab. Im selben Jahr wurde sie mit persönlicher Bestleistung von 4,26 Metern U18-Europameisterin. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Nairobi wurde sie zudem Vizeweltmeisterin. „Leni Wildgrube ist eine beeindruckende Sportlerin, die in ihren jungen Jahren schon sehr viel erreicht hat. Es ist schön zu sehen, wenn das Konzept der Dualen Karriere so hervorragend gelebt wird. Sie ist ein echtes Vorbild für viele Nachwuchssportler/innen“, sagt Robert Restani, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse, über die 17-jährige Stabhochspringerin.

Auf Platz zwei konnte sich der Kanute Jakob Thordsen (Eliteschule des Sports Hannover) behaupten. Der 19-Jährige gilt als aufstrebendes Kanu-Talent und holte 2018 bereits bei den Weltmeisterschaften der Erwachsenen in Portugal die Goldmedaille mit dem Kajak-Vierer über 1000 Meter. Bei den Deutschen Meisterschaften startete er in fünf Rennen und holte fünf Meistertitel. Zwei Jahre zuvor wurde er in Rumänien Juniorenweltmeister im Zweierkajak. Und ganz nebenbei ist Jakob Thordsen im Abiturjahrgang und will seine Zukunft auf einem guten Abschluss aufbauen können. „In den Eliteschulen haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich auf ihre sportlichen Höchstleistungen zu konzentrieren und zeitgleich auch eine sehr gute Schulausbildung zu erfahren“, sagt Uschi Schmitz, DOSB-Vizepräsidentin Leistungssport.

Auf den dritten Platz schaffte es die 18-jährige BMX-Fahrerin Lara Lessmann von der Flatow-Schule Berlin. Bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires war BMX-Freestyle erstmalig vertreten und schon holte sich Lara im Mixed Wettbewerb die Goldmedaille mit Teampartner Evan Brandes. Die drittplatzierte Eliteschülerin des Sports gewann im November den Worldcup in China und kämpfte sich dadurch in der Gesamtwertung auf Platz zwei. Lara Lessmann, die beste Freestyle-Fahrerin Deutschlands, zeigt Tricks, die sonst keine Frau auf der Welt beherrscht. „Lara ist eine Sportlerin mit großem Potenzial. Sie ist sehr talentiert, aber auch diszipliniert und ehrgeizig – Tugenden, die zu einer erfolgreichen Eliteschülerin des Sports gehören“, lobt Uschi Schmitz.

(Quelle: DOSB)

Video Leni Wildgrube

Video Jakob Thordsen

Video Lara Lessmann

Interviews

Foto: DOSB/Chris Christes
Foto: DOSB/Chris Christes

Leni Wildgrube zeigt mit ihren 17 Jahren und ihren Erfolgen bei der U18-EM und den Youth Olympic Games wie stark sie ist. Nun ist sie dafür zur "Eliteschülerin des Sports 2018" mit dem Platz eins ausgezeichnet worden. Im Interview hat sie uns über Ihre Erlebnisse ihrer bisherigen Karriere erzählt! Herzlichen Glückwunsch an Leni Wildgrube!

Du warst bei den Youth Olympic Games (YOGs) in Buenos Aires im vergangenen Oktober die Fahnenträgerin für Team D. Wie hat sich das angefühlt?

Das ist eine große Ehre, wenn andere Sportler aus dem Deutschen Team deine Leistung wertschätzen, mitbekommen was du erreicht hast und dich deswegen auch als Fahnenträgerin auswählen. Ich glaube das hat sehr viel mit der sportlichen Leistung zu tun, aber auch im menschlichen Sinne. Wenn man so geehrt wird, ist das schon cool!


Du hast dort ebenfalls eine Goldmedaille im Stabhochsprung mit nach Deutschland gebracht. Hängt die bei dir zuhause zur Ansicht an der Wand oder ist sie sicher verpackt?

(Lacht) Wir haben für die Medaille eine Schachtel bekommen, da ist sie drin. Und die Schachtel steht auf einem Tisch, auf dem auch meine anderen Medaillen und Pokale zu sehen sind.

Wann und vor allem warum hast du dich für die Disziplin Stabhochsprung entschieden?

Wann, das war glaube ich in der 7. Klasse, als ich auf die Sportschule gekommen bin. Da gab es ein Stabhochsprung-Probetraining. Ich habe entdeckt, dass ich dafür Talent habe, es hat mir Spaß gemacht und dafür habe ich mich dann auch entschieden. Ich komme aus dem Turnen, die turnerischen Fähigkeiten, die ich mitgebracht habe, waren dann dafür vorteilhaft.

Welche Erinnerung oder welche Situation während der YOGs hat sich bei dir am meisten eingeprägt?

Ich würde sagen keine konkrete Sache, es waren einfach so viele Dinge, die man erlebt hat. Wir waren drei Wochen vor Ort, man hat so viele unterschiedliche Leute und Sportarten kennengelernt, so viele Aktivitäten gemacht und die ganzen Wettkämpfe angeschaut. Das alles zusammen hat sich als riesen Erlebnis eingebrannt.

Du machst derzeit noch mehrere Leichtathletikdisziplinen, wirst du dich in Zukunft rein auf den Stabhochsprung konzentrieren?

Stabhochsprung ist schon meine Hauptdisziplin. Aber laufe auch nebensächlich Hürden. Ich mache das, weil ich das gut kann und weil es mir sehr, sehr doll Spaß macht. Solange ich da verletzungsfrei durchkomme und solange es mich nicht irgendwie bei meinem Stabhochsprungtraining beeinträchtigen sollte, dann mache ich das auch weiter. Ich sehe da keinen Grund damit aufzuhören.

Du wirst die nächsten zwei Jahre im U20 Bereich starten. Was willst du dort erreichen, was sind deine Ziele in diesem Jahr? Meinst du, dass du die deutsche U18- Rekordhöhe von 4,32m „knacken“ wirst?

Ziele für den Sommer sind so 4,35-4,40 Meter, das wäre schon schön, wenn ich das springe. Und dann möchte ich bei der U20-Europameisterschaft teilnehmen.
Ob ich die Höhe knacken werde? Ich wäre dann in der U20, das heißt der Rekord gilt dann nicht mehr für mich, wenn ich den springe. Aber die Höhe werde ich noch springen, ja (Lacht).

Du bist U18-Europameisterin, hast Gold in Buenos Aires geholt – sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nun realistisch für dich?

Ich denke eher nicht, es ist noch ein bisschen nah. Vor allem, weil ich noch Schülerin bin und sich einiges in der Leichtathletik mit dem System geändert hat. Wenn es passiert, dann passiert es, aber ich denke da noch gar nicht wirklich dran. Von der Höhe könnte es theoretisch möglich sein, wenn meine Entwicklung weiter so geht, aber als klares Ziel habe ich es mir nicht gesetzt. Dann eher 2024.

Wie schaffst du das eigentlich, Leistungssport und Schule so gut miteinander zu vereinen?

Es geht super an meiner Schule, ich bin ja in Potsdam auf der Sportschule. Wie da alles so organisiert ist, mit Schule und Sport, immer abwechselnd, das ist schon toll. Ich kann mir keine besseren Bedingungen vorstellen.  Es ist einfach alles sehr gut aufeinander abgestimmt, es gab nie wirklich große Probleme und ich kann mir auch gar nicht vorstellen auf einer normalen Schule so leistungsmäßig Sport zu treiben, ich glaube das geht gar nicht.

Wie sieht das dann so mit der Freizeit aus?

Also man hat schon Freizeit, zwar nicht so viel, aber da ich auf dem Internat in Potsdam wohne, ist man sowieso den ganzen Tag mit seinen Freunden zusammen, macht den ganzen Tag was mit denen und ist auch im Training zusammen. Das geht dann!

Jakob Thordsen (rechts). Foto: DOSB/Chris Christes
Jakob Thordsen (rechts). Foto: DOSB/Chris Christes

Der 19 Jährige Jakob Thordsen kann sich schon Weltmeister im Kajak-Vierer nennen, gilt als ein Talent  bei den Kanuten und ist gleichzeitig noch im Abijahrgang! Jetzt wurde er mit Platz 2 bei den „Eliteschüler des Sports 2018“ ausgezeichnet. Im Interview erzählt er uns mehr über seine Erfahrungen und über seinen Sport. Herzlichen Glückwünsch Jakob Thordsen!

Letzten Sommer in Portugal hast du WM-Gold im Kajak 4er gewonnen, quasi den 1. Platz unter den „Erwachsenen“. Deine Teamkollegen aus dem K4 stammen alle aus anderen Vereinen. Wie trainiert man denn zu viert, wenn man nicht am selben Standort wohnt?

Zu viert trainieren wir meistens in den Trainingslagern, aber die Saisonvorbereitung auf die Wettkämpfe findet eigentlich immer mit dem Heimtrainer im Einer statt. Vor den Wettkämpfen haben wir meistens Trainingslager, die dann vier Wochen dauern und dort werden dann die Boote eingefahren.

Was fährst du lieber, was macht dir mehr Spaß: Vierer oder Einer?

Das kann ich so genau gar nicht sagen. International finde ich es immer schön, wenn man mit seinen Teamkollegen zusammen in einem Boot sitzt, da ist die Freude immer größer, weil man sich zusammen freuen kann.Einer bringt auch sehr viel Spaß, vor allem auf den nationalen Regatten. Da ist es auch immer schön im Einer zu fahren.

Du kommst eigentlich aus Hamburg und bist nach Hannover gezogen, warum? Man müsste meinen, bessere Wasserbedingungen seien in Hamburg gegeben?

Ich wohne in Schenefeld, das ist im Hamburger Speckgürtel. Da hatte ich immer einen Trainingsweg von einer Stunde, hin und zurück, das war nicht so gut. In Hannover habe ich auch bessere Bedingungen mit der Schule und habe einen richtig guten Trainer - da fühle ich mich auch beim Training richtig wohl. Aber mein Herz schlägt immer noch für Hamburg.

Du bist mit Jakob Kurschat im Zweierkajak Juniorenweltmeister auf 1000m geworden. War das manchmal verwirrend – die doppelte Jakob-Besetzung?

Es gibt sogar drei Jakobs. Ich habe zum Bespiel den Spitznamen „Törtchen“, der andere heißt „Kurschi“ und der andere „Topfi“ So hat jeder speziell einen eigenen Namen bekommen und so funktioniert das ganz gut.

Warum der Spitzname Törtchen?

Also mein Nachname ist ja Thordsen und viele Leute haben Probleme den auszusprechen. Irgendwann kam es dann dazu, dass jemand mal Torti oder Törtchen gesagt hat und so hat sich das dann etabliert.

Welche Funktion beziehungsweise Position übernimmst du im Vierer?

Ich sitze jetzt im Vierer auf der 3. Position. Die 3. Position ist mit der 4. sozusagen der Motor. Wir müssen uns jetzt nicht auf die Taktik des Rennens konzentrieren, sondern einfach den Kopf ausschalten und das Boot schieben.

Die K4 1000m-Distanz ist aus dem olympischen Programm genommen worden, olympisch sind im K4 in Tokio die 500 Meter. Siehst du trotzdem eine Chance für dich? Wir haben gehört, du bist eher der „Steher“ als der „Sprinter. Magst du uns erklären, was damit gemeint ist?

(Lacht) Steher und Sprinter, das hat mal mein Trainer benutzt. Ich finde die längeren Strecken, also alles ab 500 Meter, liegen mir mehr, da ich den ausdauernden Bereich schöner finde, bzw. ich mich dort auch mehr einbringen kann. Es gibt für die 1000 Meter nur noch drei Plätze für Olympia und da ist mein Ziel, mich in den 1000 Meter Zweier zu fahren. Oder mit ganz viel Glück, oder was auch noch so kommt, vielleicht auch den Platz im 100 Meter Einer.

Wenn es mit den Spielen in Tokio noch nicht klappt, wirst du ganz konsequent 2024 anpeilen?

Da möchte ich auf jeden Fall dabei sein. Aktuell mache ich auch mein Abi und habe mich für 2 Ausbildungsplätze beworben. Da liegt auch erstmal mein Fokus, diese Ausbildung abzuschließen, damit ich was in der Hand habe. Und ganz nebenbei werde ich mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren, damit 2024 dann hoffentlich klappt.

Würdest du anderen Nachwuchssportlern den Besuch an einer Eliteschule des Sports empfehlen?

Auf jeden Fall! Ich kann das ja so ein bisschen mit meiner Schule in Schenefeld vergleichen, die hatte mit dem Sport nicht so viel zu tun. Da gab es dann schon Probleme, wenn man mal eine Woche in der Schule gefehlt hat. Aber die Eliteschulen, wie auch meine Schule, unterstützen mich da sehr gut, vor allem aber auch mein Sportkoordinator. Das ermöglicht mir schon sehr viel, sonst würde ich das auch so nicht hinbekommen.

Lara Lassmann (links). Foto: DOSB/Chris Christes
Lara Lassmann (links). Foto: DOSB/Chris Christes

Lara Lessmann ist 18 Jahre alt, weltweit mit ihrem BMX unterwegs und steht immer öfter auf dem Podest. 2017 ist sie sogar Vizeweltmeisterin geworden. Heute darf sie eine weitere Auszeichnung entgegennehmen: Platz drei als "Eliteschülerin des Sports 2018"! Herzlichen Glückwunsch Lara Lessmann!

Lara, du hast bei den Youth Olympic Games (YOGs) in Buenos Aires Gold im Freestyle BMX geholt. War das dein bisheriges Highlight deiner Karriere?

Auf jeden Fall war das ein Highlight! BMX Freestyle war erstmals bei den YOGs dabei und dann war ich zufälligerweise noch in dem Alter um bei den YOGs teilzunehmen. Das war schon mal eine gute Vorbereitung für die richtigen Olympischen Spiele. Das hat mir dann auch ein bisschen die Nervosität genommen und ich freue mich, dass alles gut geklappt hat.

Die Freestyle-BMX Contests finden in Mixed-Wettbewerben statt. Evan Brandes war damit dein Teamkollege und nur gemeinsam konntet ihr eine Medaille holen. Warum wird nicht jeder Fahrer für seine eigene Leistung ausgezeichnet?

Also normalerweise ist es beim BMX Freestyle so, dass die Wettkämpfe getrennt sind. Es gibt eine Frauen- und eine Männerkategorie. Bei den YOGs gab es jetzt erstmals einen Mixed Wettbewerb. Ich glaube die haben das gemacht, um es mal auszuprobieren und die Jugendspiele sind ja auch dafür bekannt, neue Sportarten und Sachen auszuprobieren, deswegen hat‘s gepasst. Ich hätte mich aber sehr geärgert, wenn mein Partner hingefallen wäre oder auch wenn ich hingefallen wäre, wäre er traurig gewesen. Aber es soll natürlich auch dafür da sein, dass einem die Nervosität genommen wird. Meiner Meinung nach ist das nicht unbedingt notwendig, weil jeder seine eigene Leistung zeigen sollte, deswegen bin ich eher für Einzelwettkämpfe. Aber ich meine für viele Sportler oder Sportarten ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass es Mixed-Wettbewerbe gibt, weil es einfach die Nervosität nimmt.

Kannst du uns kurz erklären, wie „Freestyle“ funktioniert? Klingt, als gäbe es da gar keine Regeln? Wie werden die Punkte vergeben?

Man kann frei fahren, sage ich mal. Man hat eine Minute Zeit um einen Lauf vorzubereiten. Der ist dann meist verschieden, jeder Sportler fährt anders. Mit verschiedenen Tricks, Schwierigkeitsgraden oder Höhen. Man kann sich voneinander abheben. Beim Eisschnelllauf oder Schwimmen zum Beispiel gewinnt derjenige, der am schnellsten ist. Das ist das Schöne beim Freestyle, dass man anders sein kann und somit punkten.

Seit wann fährst du BMX und was haben deine Eltern anfangs von der Idee gehalten?

Ich fahre BMX schon mein halbes Leben lang. Anfangs waren meine Eltern schon nervös, da ich ein kleines, zierliches Mädchen war, das anfangs gar keine Kraft für so etwas hatte und auch oft gestürzt ist. Aber da mein Bruder selber erfolgreich war und Profi ist, waren meine Eltern das schon gewohnt, dass es Stürze geben kann. Da er immer vor Ort war, wussten sie immer, dass ich in guten Händen bin. Aber auch der Verein in Flensburg, bei dem ich gestartet bin, hat mich super unterstützt, dann waren sie nicht mehr so nervös. Als ich noch jung war und innerhalb von Deutschland verreist bin, waren sie auch immer nervös - aber heute ist alles gut.

Du bist für den Sport von Flensburg nach Berlin gezogen und trainierst dort in einem riesigen Skatepark, dem Mellowpark. Hast du zusätzlich Möglichkeiten, BMX an deiner Schule zu trainieren?

In meiner Schule kann ich nicht BMX trainieren, nein. Ich kann aber Krafttraining oder andere Ausdauersportarten machen. Aber da meine Schule direkt in Köpenick liegt, wo auch der Mellowpark ist, kann ich in meiner Pause oder auch nach der Schule in fünf Minuten mit dem Rad dorthin fahren.

Du hast beim Worldcup in China, im vergangenen November ebenfalls Gold geholt und bist manche Tricks gefahren, die sonst keine Frau der Welt beherrscht. Was ist der für dich persönlich schwierigste Trick?

Für mich persönlich ist der schwierigste Trick wahrscheinlich der Crankflip Barspin. Das bedeutet, dass man die Kurbel 360 Grad nach hinten „spint“ und gleichzeitig den Lenker 360 Grad rumdreht. Das ist daher schwer, da kein Körperteil zu der Zeit das Fahrrad berührt und man fliegt ohne etwas festzuhalten. Dennoch schaffe ich ihn glücklicherweise immer, ich habe ihn lange geübt und bin froh ihn zu beherrschen. Das ist einfach schön!

Worauf achtest du bei der Wahl deines Rades? Was ist dir wichtig?

Es wichtig, dass es leicht ist. Mein Rad wiegt ungefähr neun Kilo, was schon für ein Freestyle-Rad leicht ist. Ich bestelle bestimmte Teile aus Amerika oder weltweit, weil sie da am besten produziert werden. Beispielsweise haben sie dort auch bestimmte Teile wie Titan oder Carbon. So achte ich darauf, dass das Rad leicht und stabil ist. Und die Bremse muss perfekt sein. Eine perfekte Bremse ist eine gute Voraussetzung dafür, dass man gewisse Tricks besser machen kann.

2020 wird BMX Freestyle erstmals olympisch sein. Werden wir dich in Tokio im Skatepark sehen?

Bisher läuft es wirklich gut. Letztes Jahr war die Worldcup Saison und dort wurde ich zweite im Overall-Ranking. Grade ist Deutschland mit mir auf Platz 2 und darüber bin ich ziemlich froh. Die Top 9 Leute kommen nach Tokio, also bin ich voraussichtlich hoffentlich dabei. Ich versuch‘s auf jeden Fall!

Im Extremsport ist es wichtig, dass der Sport bei den X-Games als Wettkampf vertreten ist. Bist du zuversichtlich, dass du bald auch dort um eine Medaille kämpfen darfst?

X-Games ist zwar die größte Extremsportveranstaltung der Welt, aber für mich ist derzeit der Maßstab Olympia. Bei den X-Games gibt es andere Rampen, als im Olympiapark. Es wäre aber der größte Traum nach Olympia auch eine X-Games Medaille zu holen. Aber da BMX jetzt olympisch geworden ist, sind die Voraussetzungen für alle BMX-Wettbewerbe auf der Welt sehr gut, dass es dort auch eine Frauenklasse gibt. Es gibt jetzt einfach viel mehr Frauen, die sich auf Wettbewerben sehen lassen und auch Länder und Verbände fangen an, Frauen zu unterstützen, zu helfen und Wettbewerbe zu ermöglichen.

Wenn du mal neben Schule und Sport Zeit für dich hast, was machst du dann am liebsten?

Gute Frage, ich mache eigentlich nur Sport. Aber am liebsten fahre ich nach Hause, nach Flensburg, um meine Familie zu besuchen und Freunde zu treffen. Sonst reise ich viel und gucke mir viel in Städten an. Aber eigentlich denke ich die ganze Zeit nur ans BMX fahren.

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