Eliteschüler des Sports 2015 augezeichnet

Auf der Bühne wurde schnell noch ein Selfie gemacht. Fotos: DOSB/Chris Christes
Auf der Bühne wurde schnell noch ein Selfie gemacht. Fotos: DOSB/Chris Christes

Drei Juniorenweltmeisterinnen und eine Junioreneuropameisterin sind heute (18.1.) beim DOSB-Neujahrsempfang in Frankfurt für ihre besonderen schulischen und sportlichen Leistungen im vergangenen Jahr geehrt worden.

Über die Auszeichnung als „Eliteschüler/in des Jahres 2015“ durften sich die Bahnradfahrerinnen Pauline Grabosch und Emma Hinze auf Platz eins, Rennrodlerin Jessica Tiebel  als Zweite sowie Schwimmerin Maxine Wolters als Dritte freuen.

Zur bundesweiten Wahl waren 43 Eliteschüler des Sports nominiert, die von ihren jeweiligen Standorten zuvor als Jahresbeste geehrt worden waren. Bereits im siebten Jahr wählen der DOSB und die Sparkassen-Finanzgruppe aus diesen Talenten die Eliteschüler des Sports aus, die sich durch ihre Leistungen in Schule und Sport in besonderem Maße hervorgetan haben. Die Auszeichnung als „Eliteschüler des Sports des Jahres” ist zudem mit einem Stipendium der Sparkassen-Finanzgruppe verbunden.

Das siegreiche Bahnrad-Duo Emma Hinze und Pauline Grabosch stellte bei der Junioren-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr einen neuen Weltrekord im Teamsprint auf. Pauline Grabosch durfte sich zudem über einen weiteren WM-Titel im Einzel freuen, Emma Hinze triumphierte sogar in insgesamt drei Disziplinen. Aber nicht nur sportlich lief 2015 für die beiden Bahnradfahrerinnen aus Cottbus und Kaiserslautern rund. Auch die schulischen Leistungen der beiden Topathletinnen sind mit einem Schnitt von 1,9 überdurchschnittlich. „Es ist wirklich beeindruckend, was Emma Hinze und Pauline Grabosch im Hinblick auf Schule und Sport mit Ehrgeiz, Disziplin und der Leidenschaft zum Bahnradsport im vergangenen Jahr erreicht haben. Mit ihrer Einstellung und Leistung sind sie Vorbilder für viele Athletinnen und Athleten und haben den ersten Platz als ‚Eliteschülerinnen des Sports 2015‘ mehr als verdient“, begründete Michael Rüdiger, Vorstandsvorsitzender der DekaBank und Vertreter der Sparkassen-Finanzgruppe, die Wahl.

Die Zweitplatzierte Jessica Tiebel gewann 2015 überraschend, aber verdient ihre erste Junioren-Weltmeisterschaft im Rennrodeln und legte hiermit den Grundstein für ihren Gesamtweltcup-Sieg bei den Juniorinnen. Volker Hegewald, Schulleiter der Eliteschule des Sports Altenberg, die Jessica Tiebel besucht, ist überzeugt, dass die Persönlichkeit der jungen Athletin einen entscheidenden Teil zum Erfolg beträgt: „Sie ist eine junge Frau, die schon sehr strukturiert ist, die eigenverantwortlich über den Tag hinaus plant – sowohl was die Schule als auch das Training betrifft. Das sind beides natürlich beste Voraussetzungen für jemanden, der von Wettkampf zu Wettkampf eilt.“

Auch die erst 16-jährige Maxine Wolters von der Eliteschule des Sports Hamburg überzeugt durch sehr gute schulische und sportliche Leistungen und sicherte sich so den dritten Platz als „Eliteschülerin des Sports 2015“. Nicht nur der Notenschnitt von 1,3 beeindruckt. Auch ihre Gold- und Silbermedaille bei den European Games im vergangenen Jahr sowie Bronze mit der Mixed-Staffel verdeutlichen ihre hervorragenden sportlichen Leistungen. „Betrachtet man allein die Ergebnisse in Schule oder Sport, so sind die Erfolge für sich schon herausragend. Aber in beiden Bereichen  so ein hohes Niveau zu erreichen,  verdient allerhöchsten Respekt – für Schule, Trainer, Unterstützer, aber in erster Line natürlich für die junge Athletin“, lobte Ole Bischof, DOSB-Vizepräsident Leistungssport und Judo-Olympiasieger von 2008.

In diesem Jahr wartet auf die 43 Eliteschüler des Sports, die von ihrer Schule zur bundesweiten Wahl nominiert wurden, noch ein weiteres Highlight: Der DOSB und die Sparkassen-Finanzgruppe laden die Schülerinnen und Schüler zu einem gemeinsamen Workshop nach Lausanne ein, der Heimatstadt des IOC.
Die Sparkassen-Finanzgruppe ist der erste und bislang einzige Förderer der Eliteschulen des Sports aus der Wirtschaft. In Kooperation mit dem DOSB, der Stiftung Deutsche Sporthilfe sowie den Kultus- und Sportministerien der Länder besteht das Engagement der Eliteschulen des Sports bereits seit 1997. Ein erfolgreiches System: Bei den Olympischen Spielen in Sotschi waren aktuelle und ehemalige Eliteschüler/innen des Sports an allen Medaillen beteiligt.

(Quelle: DOSB)

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Interviews

Copyright: picture alliance
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Die 18 Jährige Emma Hinze besucht die 12. Klasse auf der Eliteschule des Sports in Cottbus. Aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen sowohl in Sport als auch in der Schule wurde sie dieses Jahr als "Eliteschülerin des Sports 2015" ausgezeichnet. Im Interview spricht Sie darüber, wie es für Sie ist eine Eliteschule des Sports zu besuchen und wie ihre sportliche Pläne für die nächste Zeit aussehen.

Wie kamst du eigentlich zum Bahnradsport?

Ich habe seit meinem achten Lebensjahr Straßenradsport gemacht und bin dann im Sommer 2013 die deutsche Bahnmeisterschaft gefahren, einfach um es mal auszuprobieren. Ohne spezielles Training wurde ich dann überraschenderweise 2. Im Sprint und 3. Im 500m- Zeitfahren. Daraufhin wurde ich von meinem alten Trainer angesprochen, ob ich nicht mal eine Probewoche im Internat machen will, was mir gefallen hat und so hat sich das alles dann entwickelt.

Was macht dir daran am meisten Spaß?

Dieses Gefühl der Schnelligkeit, das man auf der kurzen Strecke erreichen kann und das Bereisen der verschiedenen Länder.

Hast du neben dem Sport noch andere Hobbys?

Ich gehe gerne Shoppen oder verbringe Zeit mit meinen Freunden.

Wird es manchmal stressig, Schule, Sport und Freizeit unter einen Hut zu kriegen?

Ja das auf jeden Fall, aber man wächst mit seinen Aufgaben und es ist immer ein gutes Gefühl, wenn man alles so schafft, wie man es sich vorgenommen hat.

Warum hast du dich für eine Eliteschule des Sports entschieden?

Ohne eine Eliteschule wäre es mir nicht möglich Schule und Sport zusammen auszuüben. Außerdem sind die Wege hier kurz und alles ist super aufeinander abgestimmt.

Würdest du sagen, dass die Eliteschule des Sports dir das ganze vereinfacht? Wenn ja, wie genau?

Ja auf jeden Fall. Ich kann die Schule strecken, damit ich nicht ganz so viel Stress habe, wenn ich nach Wettkämpfen oder Trainingslagern alles nachholen muss. Außerdem wohne ich im Internat, also direkt vor Ort, was wie gesagt perfekt mit den kurzen Wegen zur Schule und zum Training ist. Im Internat wohne ich, weil meine Familie zu weit weg wohnt und es dort keine Sportschule gibt, die Bahnradsport fördert.

Hast du ein Lieblingsfach in der Schule? Wenn ja, was macht Dir hieran besonders Spaß?

Ich mag Sprachen sehr gerne, da man sich dadurch mit vielen interessanten Menschen austauschen kann und das Fach Deutsch liegt mir.

Durch die duale Ausbildung in Sport und Schule sowie die Kontakte, die Du hierüber bekommst, hast Du später sicher viele berufliche Möglichkeiten. Weißt Du schon, in welche Richtung Du später beruflich gehen möchtest? Hast Du vielleicht schon ein Studium oder eine Ausbildung ins Auge gefasst?

Da ich die Schule strecke habe ich noch etwas Zeit und im Moment weiß ich noch nicht genau was ich machen möchte, da es in Kombination mit dem Sport möglich sein sollte.

Sportlich bist du ja sowohl im Einzel- als auch im Teamsprint total erfolgreich gewesen. Macht dir eine der beiden Disziplinen mehr Spaß als die andere?

Nein, da jede Disziplin für sich besonders ist. Es ist schön im Team zu fahren, da es da nur durch Zusammenhalt klappt und wenn jeder sein bestes gibt. Aber auch wenn man alleine die Goldmedaille gewinnt, ist es ein unbeschreibliches Gefühl, da man das nur durch seine eigene Leistung und Disziplin geschafft hat.

Du hast es gemeinsam mit Pauline auf den 1. Platz als „Eliteschüler des Sports“ 2015 geschafft. Seid ihr zwei auch abseits der Sportanlage befreundet? Und was ist der Grund, dass ihr sportlich so gut harmoniert?

Wir kennen uns schon seit wir klein waren, da wir damals zusammen Straßenrennen gefahren sind und jetzt fahren wir zusammen Teamsprint. Das klappt einfach gut. Paulines Stärke ist die erste Runde, mir liegt eher die 2. Runde.

Wie sehen denn deine sportlichen – und vielleicht auch schulischen - Ziele für dieses Jahr aus?

Dieses Jahr (und auch im Dezember 2015) durfte ich schon bei der Elite bei den Weltcups starten. Dort ging es erst mal darum Erfahrungen zu sammeln und die Atmosphäre kennenzulernen. Mein nächster Wettkampf ist die Weltmeisterschaft im März in London. Schulisch möchte ich gerne den Notendurchschnitt behalten.

In diesem Jahr starten Du und Pauline ja wieder in zwei unterschiedlichen Altersklassen. Hast Du schon eine neue Teampartnerin gefunden?

Nein noch nicht, da Kristina Vogel und Miriam Welte, die amtierenden Olympiasiegerinnen, zusammen Teamsprint fahren und ein eingespieltes Duo sind. Jedoch durfte ich in Neuseeland beim Weltcup schon mal reinschnuppern und mit Miriam Welte das Teamsprintfinale um Platz 3-4 fahren.

Hast du durch deine sportlichen Erfolge schon ein hohes Medieninteresse? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Nach der Juniorenweltmeisterschaft war und ist das Interesse gestiegen und es war ab und zu auch sehr stressig die Interviews usw. noch unter zu kriegen. Aber im Endeffekt ist es ein tolles Gefühl, dass über einen berichtet wird und man dadurch Anerkennung bekommt.

Danke schön, "Eliteschülerin des Sports" Emma Hinze!

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Pauline Grabosch ist nicht nur Weltmeisterin im 500 Meter Zeitfahren im Bahnradsport, sondern auch Erstplatzierte „Eliteschülerin des Sports 2015“. Sie besucht die Eliteschule des Sports in Kaiserslautern. Beim Neujahrsempfang des Deutschen Olympischen Sportbundes wurde sie gemeinsam mit ihrer Partnerin im Teamsprint , Emma Hinze, geehrt. Im Interview mit dem uns spricht sie über ihre Anfänge im Radsport, künftige Ziele und gibt interessante Einsichten ihrer Einstellung dem dualen Werdegang gegenüber.

Pauline, du besuchst die Eliteschule des Sports in Kaiserslautern. Wohnst du dort eigentlich auch im Internat?

Nein, ich habe eine eigene Wohnung, in der ich mir sozusagen mein eigenes kleines Reich eingerichtet habe. Anfangs habe ich auch im Internat gewohnt, mich aber dann entschieden in eine eigene Wohnung zu ziehen. Ich war sehr oft unterwegs und war im Internat nicht imme optimal. Außerdem wollte ich gerne, dass meine Eltern auch bei mit schlafen können, wenn sie mich mal besuchen.

Wie bist du denn eigentlich zum Bahnradsport gekommen?

Zum Radsport an sich bin ich auch durch Zufall gekommen. Weil ich sehr schnell gewachsen war und Knieprobleme bekam, musste ich leider die Leichtathletik aufgeben. Dann bot sich für mich der Radsport an, weil meine Knie dabei nicht so belastet werden. Zum Bahnradsport bin ich dann auch mehr oder weniger durch Zufall gekommen. Mein damaliger Trainer hat gesagt es wäre hoffnungslos mit mir, weil ich keine Berge hochkomme und keine Ausdauer habe. Gleichzeitig hat er aber vorgeschlagen, dass ich es mal bei der Bundessichtung für die Bahn probieren soll. Da  hat es dann recht gut geklappt. Der Nationaltrainer wollte mich haben und so nahm es dann irgendwie seinen Lauf.

Wie kam es denn dazu, dass du dich dazu entschieden hast auf eine Eliteschule des Sports zu gehen?

Ich war vorher auf einem Internationalen Gymnasium. Da haben sich auch alle bemüht meine sportlichen Anforderungen zu berücksichtigen. Allerdings wäre dort das Abitur in 13 Jahren nicht möglich gewesen. Durch die vielen Fehlzeiten hätte der ganze Stoff nicht vermittelt werden können. Da blieb mir dann nur noch der Schulwechsel und mein Nationaltrainer hat sehr viel Wert daraufgelegt, dass meine schulische Ausbildung genauso gefördert wird. Da bot sich dann natürlich eine Eliteschule des Sports an, bei der ein dualer Werdegang möglich ist. Und für mich kam dann auch nur eine Eliteschule des Sports mit einem Bahnradsport-Zentrum in Frage.
Man muss sich halt trotz der Schulzeitstreckung hinsetzen und Engagement zeigen.Aber viele Schüler sind einfach froh, dass es überhaupt eine Eliteschule des Sports gibt, die einem solche Möglichkeiten bietet.

Das hat sich ja in jedem Fall gelohnt, wenn man deine Erfolge anschaut. Wie viele Stunden trainierst du am Tag?

Pro Tag sind es etwa zwei bis vier Stunden, je nachdem was und wie wir trainieren. Dann aber auch sechs Mal pro Woche und manchmal zweimal pro Tag. Schule kommt dann auch noch dazu. Da habe ich ungefähr immer sechs – sieben Stunden am Tag.

Wow, du lebst den Sport also wirklich. Was ist denn für dich das Besondere an deiner Sportart?

Einmal sind es die Menschen, mit denen man in Kontakt kommt. Ich finde, dass die Bahnradsportler eine eher familiäre Gruppe sind. Es kennt quasi jeder jeden und man ist einfach mit allen befreundet. Am Sport an sich gefallen mir besonders die Geschwindigkeit und auch das Taktische.

Seid ihr nur auf der Bahn unterwegs oder macht ihr auch anderes Training nebenbei?

Wir sind nicht nur auf der Bahn unterwegs, da es wichtig ist den gesamten Körper zu trainieren. Wir machen daher auch mal Krafttraining oder gehen Schwimmen. Manche fragen sich zum Beispiel warum denn der Oberkörper trainiert werden muss. Es würden doch die Beine reichen. Man muss halt beim Radsport den ganzen Körper stabilisieren. Der Körper ist ein komplexes System und bei Schnellkraftsportarten muss alles aus den Punkt genau funktionieren. Da sind schon verschiedene Trainingsmethoden notwendig.

Hast du eigentlich Vorbilder? Sowohl im Sport als auch außerhalb?

Für mich persönlich ist außerhalb des Sports der weibliche Teil meiner Familie ein Vorbild. Für mich ist Familie auch das wichtigste. Und sportlich sind es auf jeden Fall Christina Vogel und Miriam Welte, die ja im Teamsprint sozusagen die Großen für uns sind. Zu denen schaut man schon hoch und will später mal genau so weit kommen, wie die beiden. Wenn man sie dann noch persönlich kennt und von Ihnen Tipps bekommt ist das schon motivierend. Manche träumen davon mit ihren Idolen überhaupt mal zu sprechen und wir trainieren einfach mal mit denen zusammen. Wie gesagt, es ist eben wie eine große Familie.

Seid ihr denn auch schon mal gegen die beiden im Wettkampf angetreten?


In Cottbus beim Training sind wir einmal als Teamsprint Junior gegen Teamsprint Erwachsenen gegen die beiden angetreten. In einem richtigen Wettkampf aber noch nie. Aber man schaut schon gerne zu und denkt dann: So schnell will ich auch irgendwann auch mal fahren. (lacht)

Da sind wir guter Hoffnung! Bist du mit der Emma Hinze eigentlich auch abseits der Sportanlage befreundet?


Also wir haben schon regelmäßig Kontakt und sehen uns auch außerhalb des Sports. Ich glaube auch, dass man eine gute Basis hinter den Kulissen haben muss, um im Wettkampf als Team funktionieren zu können. Wir haben viel Spaß miteinander und verstehen uns gut. Nur die geografische Entfernung macht es ein bisschen schwierig. Dadurch, dass wir ab 2016 wieder in unterschiedlichen Altersklassen starten werden, wird es nochmal schwieriger, weil man sich nicht mehr automatisch bei Lehrgängen sieht.

Als du von deiner Schule regional zur „Eliteschülerin des Sports“ ausgezeichnet wurdest, hast du dir da schon Chancen auf einen der ersten Plätze bundesweit ausgerechnet?

Mein Trainer hat zu mir gesagt:„Eliteschüler des Sports 2015 wäre doch mal was.“ Ich hätte aber nie gedacht, dass wir so weit oben ankommen. Beziehungsweise ganz oben. Es ist auf jeden Fall eine Ehre und ich glaube diese Ehre müssen und wollen wir auch verteidigen. Immerhin treten wir ja auch in große Fußstapfen. Dazu wünschen wir auf jeden Fall schon mal viel Glück!

Was sind jetzt deine Ziele für die nächste Zeit?


Dieses Jahr fahre ich nochmal bei den Junioren. Habe also erneut die Chance meinen Titel zu verteidigen auf 500 Meter. Eine Teamsprint Partnerin muss ich noch finden. Da sind meine Trainer schon auf der Suche. Ich bin mir sicher da wird sich noch was finden. In einem Jahr möchte ich dann natürlich mein Abitur machen. Am besten natürlich ein sehr gutes Abitur. Danach tendiere ich in den medizinischen Bereich. Was genau weiß ich noch nicht genau. Auf jeden Fall will ich 2020 mit Emma in Tokio an den Start gehen.

Ist dir die duale Karriere eigentlich manchmal zu stressig? Oder würdest du es jederzeit wieder machen?

Ich würde es definitiv wieder machen. Ich glaube Sport ist eine Sache die man auf diesem Niveau nur einmal im Leben machen kann. Und da es ja Möglichkeiten gibt, beides unter einen Hut zu bekommen, warum sollte ich dann die Chance nicht wahrnehmen? Wenn man dann nach ein paar Jahren zurück schaut und eine Sache hängen lassen hätte, würde man es bereuen. Es gibt ja außerdem auch eine Karriere nach dem Sport und das sollte sich jeder Sportler zu Herzen nehmen.

Das ist eine gute Einstellung und wir wünschen dir alles Gute!

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Jessica Tiebel besucht die Eliteschule des Sports in Altenberg. Durch außerordentliche sportliche Erfolge in 2015 und Bestnoten in der Schule wurde sie für diese Leistungen bundesweit als Zweitplatzierte „Eliteschülerin des Sports“ ausgezeichnet.
Im Interview spricht Sie über ihre Auszeichnungen, ihre beruflichen sowie sportlichen Ziele und wir erfahren mehr über Jessica Tiebel als Person.

Wie bist du zum Rennrodeln gekommen?

Ich war immer schon ein sehr aktives Kind. Meine Eltern haben dann irgendwann etwas gesucht, bei dem ich mich auslasten kann, bevor ich das ganze Wohnzimmer zerlege. Dann hat mein Vater mich mal zur Bahn in Altenberg gefahren und es hat mit wirklich viel Spaß gemacht. Dann bin ich beim Rennrodeln geblieben.

Was macht dir denn am Rennrodeln am meisten Spaß?

Die Geschwindigkeit auf jeden Fall! Und auch dieses Gefühl beim Fahren, dass man komplett bei der Sache ist und alles um sich herum vergisst. Es ist wie ein Film den man abspielt.

Hast du eigentlich Vorbilder? Und was macht deiner Meinung nach ein Vorbild aus: Erfolg oder auch Persönlichkeit?

Nein, ein bestimmtes Vorbild habe ich nicht. Ich versuche immer mich nicht so sehr an anderen zu orientieren, sondern es einfach selbst zu schaffen. Auf jeden Fall Persönlichkeit. Erfolg ist immer so eine Sache. Ich finde es immer schwierig zu definieren, was Erfolg überhaupt ist. Und für mich gehört auch ein ausgefallener Charakter dazu. Das finde ich sehr interessant an Leuten.

Im nächsten Monat geht es für dich nach Lillehammer zu den Youth Olympic Games. Hast Du Dich speziell für die Youth Olympic Games vorbereitet?

Ich nehme jetzt natürlich alles mit was noch so kommt. Außerdem feile ich noch am Material.

Testest du also noch unterschiedliche Materialien für deinen Schlitten? Und hilfst du dann auch selber mit wenn ihr Änderungen vornehmt?

Ja wir haben jetzt noch etwas Neues gebaut, das noch getestet werden muss. Beim Bauen bin ich auch immer dabei. Ich sage mal so:  Die Trainer sind dafür da Ideen zu bringen, weil sie ja die Erfahrung haben und die Umsetzung mache ich dann. Zum Beispiel das Schleifen des Schlittens. Über die Jahre versuchen die Trainer natürlich, dass man immer mehr Erfahrung bekommt und so  immer mehr alleine machen kann.

Und kannst du dich noch an deine erste Abfahrt auf einem richtigen Schlitten erinnern?

Ich denke schon, weiß es aber nicht mehr alles ganz genau. Es war aber nicht sehr spektakulär. Man ist ja auch relativ langsam, weil man anfangs von sehr weit unten startet und es noch nicht so steil ist. Ich wollte dann auch gleich immer weiter hoch. Spaß hat es mir also auf jeden Fall gemacht. Man kann schon sagen, dass es am Anfang noch sehr viel Ähnlichkeit mit dem hatte, was man so an einem gewöhnlichen Schneehang betreibt.

Anfang 2015 bist du - wie schon angesprochen - in Lillehammer Junioren-Weltmeisterin geworden. Im letzten Lauf kam noch einmal die Russin Victoria Demchenko sehr nah an deine Zeit heran und es dauerte einige Sekunden, bis klar war das du mit 6/1000 Sekunden Vorsprung gewonnen hast. Was ging dir in dieser Zeit durch den Kopf?

Als ich ins Ziel gekommen bin, war ich überhaupt erstmal glücklich, dass ich auf jeden Fall Zweitplatzierte bin. Dann sah ich die Zeit, die die Victoria gefahren ist und dachte es müsste eigentlich für se reichen. Ganz genau hatte ich das aber nicht auf dem Schirm, wer welche Zeit gefahren ist. Als ich dann aber gesehen habe, dass ich gewonnen habe, war es doch überraschend. Das war natürlich cool. Alle haben angefangen zu schreien.

Sind das Momente wo du sagst: Dafür liebe ich den Sport? Oder könntest du auch gerne auf die Spannung verzichten?

Ja auf jeden Fall. Vorgestern zum Beispiel waren die Junioren Europameisterschaften und mein Vater stand an der Bahn. Er meinte es wäre ein total spannendes Rennen gewesen, aber ich selbst habe davon gar nichts mitbekommen, da man die Zwischenzeiten nicht sieht. Man kommt ins Ziel und sieht seine Zahl, aber von der Spannung während der Abfahrt bekommt man eher weniger mit. Wenn dann aber spannende Momente aufkommen, ist es ziemlich cool!

Erfolgreich bist du ja jetzt schon. Aber glaubst du eigentlich, dass du vergleichbar erfolgreich im Sport sein würdest, wenn du nicht auf eine Eliteschule des Sports gehen würdest?

Das ist für mich schwer mir das überhaupt vorzustellen. Ich gehe ja seit der fünften Klasse auf eine Eliteschule des Sports und kenne es eigentlich gar nicht anders. Ich denke aber die schulischen Leistungen würden immens leiden. Es gibt schon sehr engagierte Lehrer, die sich viel Zeit nehmen, und sich für dich einsetzen -  auch außerhalb der Schulzeit.

Ist dieser duale Werdegang für dich sehr stressig oder macht es dir Spaß in beiden Bereichen engagiert zu sein?

An sich schon.  Ich mache gerne Sport in der Gruppe und lerne auch gerne mit anderen. Was mir allerdings schwer fällt ist sich nachmittags, abends oder auf Lehrgängen noch für Hausaufgaben oder ähnliches zu motivieren.

Was würdest du denn jungen Sportlern an den Eliteschulen des Sports mit auf den Weg geben?

Dass es auf jeden Fall nicht einfach ist. Man aber sehr, sehr gute Möglichkeiten bekommt und auch viel Engagement zeigen muss.

Zu deinen Hobbys gehört unter anderem Musik hören. Hörst du auch manchmal beim Training oder sogar während der Abfahrt?

Wir hören beim Training im Kraftraum Musik, da macht immer irgendjemand was an. Aber das ist oft nicht mein Fall. Beispielsweise läuft manchmal sogar Koreanischer Pop. (lacht) Kann man sich schon mal anhören, aber es ist doch gewöhnungsbedürftig. Mein Handy nehme ich auch nicht mit an die Bahn, weil es mich sonst ablenkt. Aber ich singe manchmal ein bisschen vor mich hin.

Natürlich möchten wir auch noch was über deine schulischen und sportlichen Träume erfahren. Hast du schon Pläne?

Also zuerst natürlich das Abitur zu meistern um dann später zu studieren und einen Beruf zu finden, der mir Spaß macht. Im Sport sehe ich das ähnlich. Ich möchte weiterhin das machen, was mir Spaß macht und vor allem viel dabei erleben. Beispielsweise mal an den Olympischen Spielen teilnehmen.

Hast du schon eine Idee was du studieren willst?

Ich überlege immer viel und es kommen verschiedene Sachen dabei heraus. Zurzeit spiele ich mit dem Gedanken Physik oder Maschinenbau zu studieren. Danach könnte ich mich dann noch auf etwas spezialisieren. Ich will also schon was technisches Machen.

Das hört sich wirklich gut an. Die Voraussetzungen bringst du ja mit!
Hast du dir eigentlich nach der regionalen Auszeichnung als  „Eliteschülerin des Sports“ deiner Schule Chancen auf einen der ersten Plätze bundesweit ausgerechnet?

Eigentlich nicht. Ich war schon einmal "Eliteschülerin des Sports“ von der Eliteschule des Sports in Altenberg und dachte jetzt nur dass, ich mich zumindest wieder auf die Einladung zum Workshop freuen kann. Große Chancen hatte ich mir aber nicht errechnet.

Freust du dich also schon auf den diesjährigen Workshop?

Ja auf jeden Fall. Letztes Jahr waren wir in Berlin bei der Schwimm WM und ich habe viele coole Leute kennengelernt. Jetzt bin ich total gespannt auf Lausanne, zumal ich noch nie in der Schweiz war

Wir wünschen dir viel Spaß bei dem Workshop und auch Erfolg bei den Youth Olympic Games dieses Jahr. Vielen Dank, Jessica!

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Die Schwimmerin und drittplatzierte "Eliteschülerin des Sports 2015" Maxine Wolters besucht die 12. Klasse der Eliteschule des Sports in Hamburg und wohnt dort im Internat. Im Interview spricht Sie über ihren frühen Auszug von zu Hause und was das genau für Sie bedeutet hat.

Du bist bereits mit 16 ausgezogen um im Sportinternat zu leben. War der Auszug aufgrund deines Alters ein großes Thema zu Hause?

Der Auszug ins Internat hatte sich bei mir schon länger abgezeichnet. Das lange Pendeln zwischen Schule, Training und zu Hause war irgendwann einfach zu viel, das haben meine Eltern auch so gesehen und mich dabei unterstützt.

Vermisst du es denn manchmal noch zu Hause bei deinen Eltern zu wohnen?

Ja, manchmal vermisse ich es schon, einfach abends mit meiner Familie zu essen. Aber dafür freue ich mich jetzt immer umso mehr aufs Wochenende, wenn ich wieder zu Hause bin.

Bist Du erst mit dem Umzug auf die Eliteschule des Sports gewechselt oder warum bist hast Du ins Internat gezogen?

Nein, ich besuche die Eliteschule des Sports schon seit 2013 und bin seitdem zwischen Hamburg und meinem zu Hause in Escheburg, etwas außerhalb von Hamburg, gependelt. Da jedoch sowohl das Trainings-, als auch vor allem das Schulpensum im letzten Jahr sehr zunahm und für mich nur noch schwer zu bewältigen war, entschloss ich mich dazu, im Sommer 2015 ins Sportinternat zu ziehen, um so meinen Tagesablauf zu entlasten.

Hat sich durch den Umzug viel in deinem Trainingsplan geändert?

In meinem Trainingsplan hat sich durch den Umzug direkt nicht sehr viel geändert. Da ich viel Zeit durch die kurzen Wege spare, bleibt mir etwas mehr Freiraum für anderes oder einfach zum Entspannen.

Worin siehst du eigentlich die größte Schwierigkeit, wenn man in der Schule und im Sport erfolgreich sein will?

Ich denke die größte Schwierigkeit liegt vor allem in der Disziplin. Man muss sich in seiner eher raren Freizeit oder auch nach einem harten Training schon etwas zusammenreißen, die Schule nicht zu vernachlässigen. Dadurch, dass man sowieso sehr wenig Zeit hat, lernt man aber auch ökonomischer zu arbeiten und seine Zeit so gut wie möglich zu nutzen.

Setzt du zwischen einem der beiden Anforderungen Prioritäten?

Grundsätzlich liegt meine Priorität eher auf der Schule, ein guter Schulabschluss ist mir sehr wichtig. Ich werde vom Sport später nicht leben können und möchte mir so vieles wie möglich offen halten. Wenn es in der Schule gerade etwas lockerer läuft oder wichtige Wettkämpe anstehen konzentriere ich mich auch mal mehr aufs Training, das ist meistens relativ ausgeglichen.

Bleibt neben der Schule und dem Sport noch Zeit für Hobbys? Hast du noch andere Hobbys neben dem Schwimmen?

Viel Zeit bleibt zwar nicht, aber ich versuche neben dem Schwimmen auch noch Kontakte außerhalb des Sports aufrecht zu erhalten. Außerdem habe ich an meinen freien Wochenenden noch Geigenunterricht. Ich spiele schon sehr lange Geige und wollte es nicht für den Sport aufgeben.

Wie sehen denn deine sportlichen Ziele für die nächste Zeit aus?

Ich möchte in nächster Zeit den Sprung vom Jugendbereich in die offene Klasse schaffen, um dort auch an internationalen Meisterschaften teilnehmen. Ein Traum ist natürlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen dieses Jahr, aber auch mit einer Nominierung für die Europameisterschaften wäre ich sehr zufrieden.

Ist es für dich nochmal ein besonderer Anreiz bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, weil deine Mutter bereits in Barcelona 1992 dabei war?

Dass meine Mutter bereits bei Olympischen Spielen dabei war, ist für mich persönlich zwar schon eine kleine Motivation aber kein direkter Anreiz. Sie versteht, was man als Leistungssportler leisten muss und kann mich auch gut unterstützen, aber ich möchte nicht zu den Olympischen Spielen, nur weil sie auch dort war.

Was macht dir am Schwimmen am meisten Spaß?

Auch wenn Schwimmen eine Einzelsportart ist, ist man trotzdem viel mit seinem Team auf Wettkämpfen und in Trainingslagern unterwegs und erlebt viele tolle Sachen. Aber schon das Schwimmen an sich macht mir total viel Spaß, gerade wenn es gut läuft, fühlt es sich toll an.

Gibt es etwas, dass du anderen jungen Sportlern auf Eliteschulen des Sports mit auf den Weg geben möchtest? Vielleicht auch in Bezug auf das Thema Internat und früher Auszug?

Sie sollten auf keinen Fall den Spaß verlieren und sich selbst vertrauen. Wenn einem etwas keinen Spaß macht, wird man darin auch keinen Erfolg haben oder damit glücklich werden. Zum Auszug von zu Hause: Wenn man sich wirklich sicher ist, was man erreichen möchte, weiß man, was man dafür tun muss und ist dafür auch bereit. So war es auch bei meinem Auszug der Fall.

Durch die duale Ausbildung im Sport und Schule stehen dir ja später alle Türen offen. Hast du schon Pläne, was die Arbeit oder das Studium betrifft?

Ich habe noch keine konkreten Pläne für die Zeit nach der Schule. Ich denke ich werde direkt anfangen zu studieren, das lässt sich mit dem Sport am besten vereinbaren. Was ich studieren will weiß ich auch noch nicht genau. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen im Ausland zu studieren, um noch eine andere Sprache zu lernen.


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