Beacherinnen Arnholdt/Schneider gewinnen Bronze

Als der fünfte Matchball endlich verwandelt und die Bronzemedaille gesichert war, nahmen Lisa Arnholdt und Sarah Schneider ein Bad im Meer der Emotionen.

Lisa Arnholdt und Sarah Schneider hatten im Spiel um Platz drei ihre Gegnerinnen aus Russland im Griff.
Lisa Arnholdt und Sarah Schneider hatten im Spiel um Platz drei ihre Gegnerinnen aus Russland im Griff.

Die beiden Beachvolleyballerinnen fielen sich in die Arme, wälzten sich im Sand und bekamen sich vor lauter Freude gar nicht wieder ein. Dann stürmten auch noch ihre männlichen Pendants Niklas Rudolf und Eric Stadie zusammen mit Trainerin Silke Lüdike auf den Platz und bildeten gemeinsam mit Arnholdt/Schneider ein unentwirrbares Freudenknäuel. Die Bronzemedaille bei den 2. Olympischen Jugendspielen feierte das deutsche Beachvolleyball-Quintett wie einen Sieg. „In diesem Spiel haben unsere Emotionen den Unterschied gemacht“, sagte Sarah Schneider (TSV Frankenberg) Minuten später immer noch völlig aufgewühlt.

Zusammen mit Partnerin Lisa Arnholdt (DJK Schwäbisch Gmünd) hatte sie sich mit einem 2:0-Erfolg (21:14, 27:25) im Spiel um Platz drei gegen die Russinnen Nadeschda Makrogusowa und Daria Rudich die Bronzemedaille gesichert. Fünf Stunden zuvor mussten die U19-Vizeweltmeisterinnen noch schwer enttäuscht das Stadion als Verliererinnen verlassen. 0:2 (18:21, 18:21) hieß es im Halbfinale gegen die kanadischen Zwillingsschwestern Megan und Nicole McNamara. Der Goldtraum war vorbei.

Nach Bronzespiel zur Party

Am Abend war die Welt jedoch wieder in Ordnung. „Nach dem verlorenen Halbfinale ist der Sieg umso schöner. Wir werden auch aus diesem Spiel viel lernen. Wir haben bewiesen, dass wir uns wieder aufrichten können“, meinte Schneider. „Die Medaille ist ein super Hightlight. Jetzt machen wir erstmal Pause und versuchen, alles zu verdauen.“ Sprachlos war ihre Partnerin Lisa Arnholdt, die bei der Eröffnungsfeier der Jugendspiele zehn Tage zuvor die deutsche Fahne getragen hatte: „Mir fehlen die Worte, ich kann das Gefühl nicht beschreiben.“

Auch Teamleiterin und Nachwuchs-Bundestrainerin Silke Lüdike zeigte sich schwer beeindruckt. „Die Mädchen haben im Gegensatz zum Halbfinale wie ausgewechselt gespielt. Wir wollten ins Spielen kommen und Freude haben. Das war das schwierigste Spiel des Turniers, denn die Holzmedaille will keiner“, sagte Lüdike heiser vom Anfeuern.

Vier Matchbälle vergaben Arnholdt/Schneider im zweiten Satz: „Ich habe trotzdem immer daran geglaubt, dass wir gewinnen“, erzählte Lisa Arnholdt, die sich anschließend mit Schneider zur Party in die Innenstadt verabschiedete. „Wir haben eine ganz coole Trainerin, mal sehen, wo wir heute Abend landen“, sagte Schneider. Der erste Weg führte das deutsche Beach-Duo zur German Sports Youth Night, wo es stimmgewaltig empfangen wurde (siehe Splitter).

"Lustige" internationale Pendelstaffel

Dass er Sprint-Gold von den Olympischen Jugendspielen mit nach Hause bringen würde, hätte Kugelstoßer Merten Howe (SC Neubrandenburg) im Vorfeld nicht erwartet. In der wild zusammengewürfelten 8×100-Meter-Pendelstaffel der Leichtathleten führte der Kugel-Bronzegewinner seine Staffel als Startläufer in 1:40,20 Minuten zum Sieg. „Es war richtig lustig. Anfangs bin ich skeptisch gewesen, denn als Werfer läuft man ja nicht so gerne. Jetzt ist es geil. Wenn es dafür auch noch eine Medaille gibt, ist doch schön“, sagte Howe, der in seinem Team einziger Werfer war. „Wir haben es als Spaß gesehen und trotzdem unser Bestes gegeben.“ Ein großer Spaß, aber ohne sportlichen Wert sei das gewesen, bilanzierte Bundestrainer und Teamleiter Jörg Peter.

Wie bei den Bundesjugendspielen ging es bei der Pendelstaffel auf der mit Tartan ausgelegten Yanshan Road, nur einen Diskuswurf vom Olympischen Dorf entfernt, zu. Bunt gemischt in Disziplinen, Ländern und Geschlechtern traten 67 Staffeln in neun Vorläufen gegeneinander an. Der Mix hatte es in sich: Mädchen überholten Jungen, riesengroße Vorsprünge schmolzen binnen Sekunden, scheinbar aussichtslos zurückliegende Staffeln flogen plötzlich am Feld vorbei. „Es war cool, dass alle Athleten durcheinander gemischt wurden, der Ablauf könnte aber noch etwas verbessert werden“, meinte Stabhochspringerin Juliane Schulze (SSC Bad Sooden-Allendorf).

Für Golfer platzte Traum von einer Medaille

Am letzten Tag des Mixed-Wettbewerbs der Golfer platzte derweil für Olivia Cowan (GC St. Leon-Rot) und Jonas Liebich (GC Olching) der Traum von einer Medaille. Mit einer 72er- (Cowan) sowie einer 69er-Runde (Liebich) und nach insgesamt drei Runden mit 276 Schlägen lagen die beiden am Ende auf Rang sechs, zwei Schläge hinter Bronze und vier Schläge hinter Gold. Unmittelbar nach dem Wettkampf war die Enttäuschung im deutschen Lager greifbar. „Heute war der Tag der vergebenen Möglichkeiten. Wir hätten gewinnen können, aber die Putts sind einfach nicht gefallen. Es wäre auf jeden Fall mehr gegangen, aber auf den Grüns entscheiden sich eben die Turniere“, sagte Teamleiter Ulrich Eckhardt. Seinen Athleten machte er dennoch keinen Vorwurf: „Sie haben gekämpft wie die Löwen.“

„Das Ergebnis tut weh. Wir haben super gespielt, aber super reicht hier nicht zu einer Medaille“, konstatierte Liebich: „Wir haben uns so viele Chancen erarbeitet, sie aber leider nicht genutzt. Das Loch war wie zugenagelt.“ Auch Cowan machte vor allem die Putts am dritten Wettkampftag als Schwachstelle aus: „Wir haben gut gespielt, aber es ist einfach nichts gefallen.“

Liebichs Gesamtbilanz der Wettbewerbe im Zhongshan International Golf Club fiel dennoch positiv aus, die Jugendspiele seien eine „Riesenerfahrung“. „Das Turnier war super organisiert, wir haben auf einem geilen Platz gespielt, das hat richtig Spaß gemacht“, sagte der 18-Jährige, der ältestes Mitglied der Deutschen Jugend-Olympiamannschaft ist. Mit der Leistung könne man im Großen und Ganzen zufrieden sein. Eckhardt resümierte: „Die Einzelwettkämpfe waren vollkommen okay, mit dem Teamwettbewerb sind wir nicht zufrieden.“

Die Rückkehr des Golfsports nach 110 Jahren auf die olympische Bühne hat aus Sicht des Teamleiters „voll eingeschlagen“. „Es hat alles super funktioniert. Wir haben tolle, wirklich hochklassige Turniere gesehen.“ IOC-Präsident Thomas Bach überzeugt sich davon bei einem Besuch am letzten Wettkampftag der Golfer persönlich.

Zwei Kanutinnen im Halbfinale

Im Hindernis-Slalom mit Rampen-Start der Kanuten stehen zwei deutsche Athletinnen im Halbfinale am Mittwoch. Birgit Ohmayer (Kanu Schwaben Augsburg) setzte sich im Canadier-Viertelfinale gegen Anne-So Lavoie-Parent aus Kanada durch, bei den Kajakfahrerinnen besiegte Selina Jones (Kanu Schwaben Augsburg) im Viertelfinale Laura Pellicer Chica aus Andorra. Der gelernte Rennkanute Tim Weiss (SC Magdeburg) schied in der Runde der letzten 16 aus.

Im Springen vom Zehn-Meter-Turm wurde Timo Barthel (Dresdner SC) beim Sieg des überragenden Chinesen Hao Yang Fünfter. Am Mittwoch steht für die Wasserspringer zum Abschluss noch der Mixed-Teamwettbewerb vom Drei-Meter-Brett an.

Bogenschütze Andreas Mayr Schützenverein Thierhaupten) unterlag im Achtelfinale dem Japaner Hiroki Muto 1:7 und beendete den Wettkampf als 17.

Im Mixed-Wettbewerb der Modernen Fünfkämpfer belegte Einzel-Bronzegewinnerin Anna Matthes (OSC Potsdam) mit ihrem Partner Daniel Lopes aus Portugal Platz 20. Nach zwei Fechtwettkämpfen und dem Schwimmen hatten sie im Ziel des aus Schießen und Laufen bestehenden Combined-Wettbewerbes 85 Punkte Rückstand auf das siegreiche Duo Maria Migueis Teixeira aus Portugal und Anton Kussnetsow aus der Ukraine.

Mit einem 6:1-Sieg gegen Südafrika sicherten sich die deutschen Hockey-Mädchen den siebten Platz.

Am Mittwoch finden in Nanjing die letzten Wettkämpfe statt. Die Deutsche Jugend-Olympiamannschaft geht mit Medaillenchancen in die Entscheidungen im Superschwergewicht der Boxer im Kanu und im Wasserspringen.

Splitter von den Olympischen Jugendspielen

PARTYZEIT
Als die Beachvolleyballerinnen Lisa Arnholdt und Sarah Schneider zwei Stunden nach dem Gewinn der Bronzemedaille kamen, fingen die Partygäste an zu singen: „So sehen Sieger aus“, schmetterten die Athleten der Deutschen Jugend-Olympiamannschaft und die Teilnehmer des dsj academy camp bei der German Sports Youth Night am Dienstagabend in Nanjing. DOSB, dsj und das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Shanghai hatten ins Hacker-Pschorr Brauhaus eingeladen und feierten das nahende Ende der 2. Olympischen Jugendspiele. Auch Thomas Bach, der IOC-Präsident, schaute in seiner Eigenschaft als DOSB-Ehrenpräsident vorbei und ging mit den Athletinnen und Athleten auf die Tanzfläche.

GEBURTSTAG
Seinen 35. Geburtstag feiert Benny Folkmann, der stellvertretende Chef de Mission, am Mittwoch in Nanjing. Punkt Mitternacht gratulierten ihm Athletinnen und Athleten sowie sein Chef Bernhard Schwank bei der German Sports Youth Night. Die Mannschaft sang „Happy Birthday“ und das Hacker-Pschorr überreichte eine Geburtstagstorte.

BEOBACHTUNG
Zur Beobachtung und Auswertung des Kultur- und Bildungsprogramms bei den Olympischen Jugendspielen ist DOSB-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper derzeit in Nanjing. Die für Bildung und Olympische Erziehung zuständige Doll-Tepper war bereits bei der Premiere der Jugendspiele in Singapur damit betraut, das Programm zu evaluieren und Vorschläge für dessen Modifikation zu machen. Die Bildungsexpertin wurde von IOC-Präsident Thomas Bach jüngst auch in die IOC-Reformkommission zur Weiterentwicklung der Olympischen Jugendspiele berufen.

(Quelle: DOSB)


  • Lisa Arnholdt und Sarah Schneider hatten im Spiel um Platz drei ihre Gegnerinnen aus Russland im Griff.
    Lisa Arnholdt und Sarah Schneider hatten im Spiel um Platz drei ihre Gegnerinnen aus Russland im Griff.
  • So schön freuten sich Sarah Schneider und Lisa Arnholdt (v.l.) über ihre Bronzemedaille.
    So schön freuten sich Sarah Schneider und Lisa Arnholdt (v.l.) über ihre Bronzemedaille.
  • Als sprintender Kugelstoßer kam Merten Howe mit seiner internationalen 8x100-Meter-Pendelstaffel als Sieger ins Ziel.
    Als sprintender Kugelstoßer kam Merten Howe mit seiner internationalen 8x100-Meter-Pendelstaffel als Sieger ins Ziel.
  • Buchstäblich im Gleichschritt marschierten Jonas Liebig und Olivia Cowan im Mixed-Wettbewerb über den Platz.
    Buchstäblich im Gleichschritt marschierten Jonas Liebig und Olivia Cowan im Mixed-Wettbewerb über den Platz.
  • Steht im Halbfinale am Mittwoch: Slalomkanutin Selina Jones (vorne).
    Steht im Halbfinale am Mittwoch: Slalomkanutin Selina Jones (vorne).
  • Slalomkanutin Birgit Ohmayer in ihrem Rennen. Auch sie ist im Halbfinale am Mittwoch dabei. Alle Fotos: DOSB
    Slalomkanutin Birgit Ohmayer in ihrem Rennen. Auch sie ist im Halbfinale am Mittwoch dabei. Alle Fotos: DOSB

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